Kostenrechnung in der Brauerei

Wo verdient der Brauer sein Geld?

Betriebsanalyse und Kostenrechnung für eine mittelständische Brauerei
zur Optimierung der Kunden- und Produktstrukturen

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Ausgangssituation

Überblick

  • Der Kunde ist eine Brauerei mit über 500 Jahren Erfahrung, sie befindet sich in Familienbesitz
  • Die Brauerei erwirtschaftet branchenübliche Renditen, sieht sich aber einer schwieriger werdenden Marktsituation ausgesetzt
  • Es werden Eigenbier und Alkoholfreie Getränke (AfG) produziert, ergänzend gibt es Handelsware
  • Eine Kostenrechnung ist nicht vorhanden, es liegt eine aussagekräftige GuV und Buchhaltung vor
Ausgangssituation

Problemstellung

1. Der Brauereimarkt ist schwieriger geworden
  • Der Bierabsatz in Deutschland in Liter pro Kopf und Jahr ist in seit dem Jahr 2000 um rd. 20% auf 101 l gesunken
  • Am Markt bestehen Überkapazitäten, Schätzungen gehen von rd. 35% aus
  • Verdrängungswettbewerb führt zu Preisdruck, bis hin zu Dumpingpreisen
  • Sozio-Ökonomischer Wandel führt zur Nachfrage anderer Gebindearten (Sixpack statt Kiste) und höherer Sortenvielfalt
    • Variantenvielfalt und Biermischgetränke zur Sicherung von Marktanteilen
    • Craft-Biere mit hohen Handelspreisen (jedoch Nischenmarkt)
2. Es werden vielen Produkte angeboten
  • Es werden mehr als 10 verschiedene Sorten Eigenbier und div. Sorten AfG produziert und abgefüllt
  • Zusätzlich erfolgt der Zukauf von alkoholfreien Bieren, die Abfüllung erfolgt im eigenen Abfüllzentrum
  • Abgefüllt wird in 6 Flaschenarten, 3 verschiedene KEG und Container
  • Die Produkte werden in 17 verschiedenen Aufmachungen vertrieben
  • In Summe gibt es rd. 200 aktive Produkte
3. Die Kundenstrukturen sind komplex
  • Es gibt rd. 500 aktive Kunden, eine Vielzahl der Kunden hat individuelle Preise
  • Die Kunden können 8 Kundengruppen zugeordnet werden, z.B.: Gastronomie, Feste Handel (LEH), Handel (GAM, GFGH), Export
  • Die Kundengruppen unterscheiden sich in
    • unterschiedlichen logistischen Bedarfen (Palette bis Rampe im LEH vs. Lieferung  2 Fässer in den Keller der Gastronomie)
    • Kundeneinzelkosten (z.B. Einrichtung Festzelte, Werbekostenzuschüsse)
    • Biersteuer (keine Biersteuer im Export)
  • Zusätzlich werden diverse Dienstleistungen erbracht, z.B. Gastronomiefinanzierung
Ausgangssituation

Zielsetzung

Zu beantwortende Fragen
  • Stimmt unser Absatzpreis?
  • Wie profitabel sind unsere Absatzwege und Produktgruppen?
  • Was verdienen wir mit den einzelnen Produkten?
  • Ist unsere Kostenstruktur wettbewerbsfähig?
  • Mit welchem Preis sind neue Produkte zu kalkulieren?
  • Mit welchem Preis sind neue Kunden zu akquirieren?
Projektauftrag

Im Rahmen des Projekt sollte ein vollintegriertes, in sich geschlossenes Kostenrechnungs- und Controllingsystem erarbeitet werden

  1. Erarbeitung einer Kostenstellenrechnung
  2. Erarbeitung einer Preiskalkulation über alle Produkte
  3. Ableitung einer Produktergebnis und Kundenergebnisrechnung
  4. Ergänzung von Benchmarks im 2. Schritt

Im 1. Schritt wurde über eine Kostenrechnung eine Kalkulation für alle Produkte erarbeitet. Grundlage war die GuV, die über Schlüssel wie Rezepturen in die kleinste Einheit zerlegt wurde.

Aus der Produktkalkulation und der Absatzliste wurde eine integrierte Ergebnisrechnung für sämtliche Kunden- und Produktgruppen erstellt

  1. Berechnung Umsatz je Kunde und Produkt

  2. Berechnung der Produktkosten je Kunde (Kosten €/hl multipliziert mit abgesetzten hl)

  3. Zusammenführen in einer Deckungsbeitragsrechnung je Kunde und Produkt

 

Schwierigkeiten

Ableitung des gesamten Modells aus der GuV

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Keine vorhandene Kostenrechnung
  • Kein vorhandenes Kostenrechnungssystem, eine Investition in eine Software war aus Budgetgründen nicht gewünscht
  • Ableitung Datenmodell aus der GuV und verschiedensten weiteren Datenquellen (Absatz- / Produktionslisten, Rezepturen, Prozentuale Verteilung der einzelnen Mitarbeiter zu den einzelnen Wertschöpfungsschritten)
  • Durch intensive Abstimmung mit der Buchhalterin und dem Braumeister konnte eine aussagekräftige Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung in kurzer Zeit erstellt werden
Aufbau eines dynamischen, vollintegrierten Datenmodels in Excel nicht möglich
  • Ziel war es, das gesamte Datenmodell vollständig integriert zu rechnen, von der Kostenstellenrechnung bis zur einzelnen Flasche (z.B. Veränderung der Personalkostenzuteilung von Sudhaus zu Abfüllzentrum rechnet sich bis zum Bereichsergebnis Gastronomie)
  • Über Excel war das Handling der verschiedenen Dimensionen nicht möglich
  • Ableitung der kleinsten Kalkulationseinheit (Abfüllung 0,5 Flasche pro hl und Rückintegration in eine Spartenrechnung)
  • Überführung der verschiedenen Datenquellen wie z.B. Finanzbuchhaltung, Kundenabsatzliste, Produktabsatzliste und Rezepturen über LucaNet in Kombination mit Excel in einen vierdimensionalen Datencube
Variantenvielfalt der Produkte und Kunden
  • Aufbau einer Variantenmatrix aus rd. 20 verschiedene Getränkesorten, 9 verschiedenen Absatzwege in rd. 20 verschiedenen Aufmachungen ergibt über 3.000 verschiedene theoretische Kombinationen, die verarbeitet werden müssen
  • Rund 200 Standardartikel werden an rd. 500 Kunden verkauft; Verarbeitung der Absatzdaten (Menge und Umsatz) je Kunde und je Artikel
  • Über den modularen Aufbau des Datenbankmodel / Datencube („kleinste Einheit“) konnte das Model handhabbar gemacht werden

Aufgrund der verschiedenen Betrachtungsweisen wurden Kunden nachverhandelt, Produkte aus der Produktion genommen und neue Produkte kalkuliert

  • Auf Basis der Produktergebnisrechnung wurde die Produktion von AfG reduziert und auf Handelsware umgestellt
  • Auf Basis der Produktkalkulation werden zukünftig neue Produkte und neue Kunden und Märkte kalkuliert
  • Auf Basis Kundenergebnisrechnung wurden einzelne Kunden nachverhandelt – 5 Kunden werden zukünftig nicht mehr beliefert
  • Auf Basis der Kostenstellenrechnung werden Potentiale zur Kostenoptimierung aufgezeigt
Brauwelt Artikel

Kostenrechnung in der Brauerei

  • Kostenrechnung in der Brauerei - Wo verdient der Brauer sein Geld?

    Die weitläufige Meinung ist: Ein gutes Bier und eine gute Marke sind seit jeher die wesentlichen Erfolgsfaktoren für eine Brauerei. Die Preise sind sowieso vom
    Markt vorgegeben und notfalls hilft ein Blick auf den Kistenpreis des Nachbarn. Da stellt sich die Frage, wie eine Kostenrechnung einen Beitrag zum Unternehmenserfolg liefern kann.

Matthias Schröder
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Partner
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Albert Hager
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Sebastian Maier
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